wortSCHÄTZE

Das Kartenspiel

Ich fand zur Vesperzeit in einem Dom mich wieder
und setzte mich im Seitenschiff auf eine Holzbank nieder.
Schräg vor mir saß ein Mann, der spielte dort Karten.
„Sie müssen damit“, sprach ich, „bis nach der Messe warten.“
Der Fremde hob den Kopf, sah mir ins Gesicht,
„Verzeihen sie, aber ich spiele nicht.“
„Kommt mit hinaus“, sagt er, indem er sich entfernt,
„ich zeige Ihnen, was man von meinen Karten lernt.“
Und draußen im Portal, wo es niemand stört,
hat mir der Fremde dann sein Kartenspiel erklärt:

„Mit jedem Ass„, sprach er,“ sollst du erinnert werden,
es gibt nur einen Schöpfer des Himmels und der Erden.

Die Zwei, sagt er, zwei Menschen gab es im Paradies,
Adam und seine Frau, die, welche Eva hieß.

Ziehst du die Karte Drei, so heißt das für den Frommen,
drei heilige Könige sind nach Bethlehem gekommen.

Vier Evangelisten, zu unserem Herrn Ruhm,
haben uns gebracht das Evangelium.

Fünf Kieselsteine suchte sich David aus dem Bach,
dann legte er mit der Schleuder den Goliath flach.

In sechs Tagen schwerer Arbeit erschuf sich unser Herr,
die Pflanzen, Tiere und das Meer.

Am siebten Tag ruhte der liebe Gott sich aus,
auf einer kleinen Bank vor Seinem goldenen Haus.

Acht Menschen, wohlgezählt acht nur, und zwar die Frommen,
sind bei der großen Sintflut damals nicht umgekommen.
Noah und seine drei Söhne, das sind vier,
und jeder ihrer Frauen, danach schloss sich die Tür.

Neun Aussätzige, bis auf den Tod erkrankt,
haben dem Herrn für ihre Heilung nicht einmal gedankt.

Zehn Gebote der Herr dem Volke gab,
als Er vom Berge Sinai stieg hinab.

Ich habe hier vier Buben, ich habe hier vier Damen,
ich habe hier vier Könige, das sind zwölf zusammen.

Zwölf Stunden hat der Tag, zwölf Stunden jede Nacht,
zwölf Monate das Jahr, so wird die Zeit gemacht.

Herz, Karo, Piek und Treff, vier Farben in der Hand,
vier Jahreszeiten färben Wald, Wiesen, Feld und Land.

Zweiundfünfzig Karten habe ich in meinem Spiel,
nun zähl im Jahr die Wochen, es sind genauso viel.

Und zählen wir die Punkte, so sind es ohne Frage,
365, soviel ein Jahr hat Tage.“

„Moment“, sagte ich, nachdem ich Papier und Blei genommen,
„ich kann nur auf 364 kommen.“
„Ja, ja“, sagte da der Fremde mit einem stillen Lachen,
„sie dürfen nie die Rechnung ohne den Joker machen!“


Gefunden habe ich dieses schöne Gedicht hier. Mittlerweile weiß ich auch, dass es sich dabei um ein Lied von Bruce Low handelt.
Ich muss sagen, es hat mich bestärkt, mich auf die kommende Woche freudig einzulassen. Ich ziehe den Joker, wenn mal wieder alles anders läuft, als ich geplant habe, wenn mich Ereignisse mit Wucht und Nachhaltigkeit treffen, wenn schlechte Gedanken kommen, der Geduldsfaden zu kurz wird, mir die (richtigen) Worte fehlen, ich über meine Berge nicht mehr drüber schauen kann,….wenn ich einfach ein Wunder brauche. Kein großes, manchmal auch nur ein ganz kleines und auch an einem ganz normalen Tag im Jahr. Ich weiß, er wird mir zugespielt. Er ist meine Super-Power. Und ich weiß, wer alle Karten in der Hand hält.
Plant den Joker mit ein und startet gut in die Woche
Eure Manuela

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